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Eines
Nachts,
ich
saß, da
es
Winter
war
und
ein Hinausreiten
auf meinen
Hügel des
tiefen
Schnees
wegen nicht
möglich
schien,
auf einer
Bank an
der
Moldau.
Hinter
mir ein
alter
Brückenturm
mit
einer
großen Uhr.
Ich
hatte
bereits
einige
Stunden,
tief
in meinen
Pelz
gehüllt,
aber
dennoch
schauernd
vor
Kälte,
dagesessen und
in den
schwarzgrauen
Himmel gestarrt,
mich
abmühend
auf jede
nur mögliche
Art,
das
zu erlangen,
was
mir
Mrs.
Besant
in einem
Briefe
als
inneres
Schauen
erklärt
hatte.
Alles
vergeblich.
Bis
zu jener
Zeit
und zwar
von
frühester Kindheit
an,
war
mir
ein verblüffender
Mangel
eigen
an
der,
vielen Menschen
verliehenen Fähigkeit,
mit geschlossenen
Augen
mir
ein
Bild oder
ein bekanntes
Antlitz vorstellen
zu können.
So
war
es
mir
beispielsweise
gänzlich
unmöglich
zu
sagen,
ob
der
oder jener
meiner Bekannten blaue,
braune
oder
graue
Augen,
dunkles
oder braunes
Haar,
eine
gerade oder
eine
gebogene
Nase
besaß,
wenn
ich
es
mir
nicht
vorher
ausdrücklich
darauf hin
angesehen
hatte.
Mit
andern Worten,
ich
war
gewohnt,
in
Worten
und
nicht
in Bildern zu
denken.
Auf
die
erwähnte
Bank
hatte
ich
mich gesetzt
mit
dem
festen Entschluss, nicht
eher
aufzustehen,
bis
es
gelungen
sei,
das
innere
Gesicht
mir zu
erschließen; des
erhabenen
Vorbilds
des
Buddhas
Gotamo
eingedenk,
der
sich
einst unter
den
Bodhibaum
gesetzt hatte mit
ähnlichem
Entschluss.
Ich hielt
es
natürlich nur
etwa
fünf
Stunden aus
und
nicht
wie
Er
Tage und
Nächte.
Die
Frage
drängte
sich
mir plötzlich
auf:
wie
spät
mag
es
wohl
sein?
Da,
gerade
in diesem
Augenblick
jenes
Herausgerissenseins
aus
meiner Versenkung
sah
ich
mit
einer
Schärfe
und Deutlichkeit,
wie
ich
vorher
niemals
in meinem
Leben
irgendeinen wirklichen
Gegenstand
wahrgenommen
zu haben
mich
erinnere,
eine riesige Uhr grell
leuchtend
am
Himmel
stehen.
Die
Zeiger
wiesen:
zwölf
Minuten
vor zwei.
Der
Eindruck
war
so
gewaltig,
dass
ich genau
spürte,
wie
mein
Herzschlag
-
nicht
stockte,
nein:
wie
er
außergewöhnlich
langsam
wurde.
So,
als
hielte
eine
Hand
ihn fest.
Ich
drehte
mich um,
blickte
auf die Turmuhr,
die
bis
dahin
hinter
mir
stand.
Dass
ich
mich
schon
früher
umgedreht
hätte
und dadurch
gewissermaßen
einen Anhaltspunkt
wie
spät
es
war gewonnen
haben
könnte,
ist
vollkommen
ausgeschlossen,
denn
ich
hatte
die fünf
Stunden
unbeweglich
auf
der
Bank
gesessen,
wie
es
bei
derlei
Konzentrationsübungen
strenge
Vorschrift ist! Die
Turmuhr
zeigte
ebenfalls, genau
wie
die visionär
am Himmel
Erblickte:
zwölf Minuten
vor
zwei.
-
Ich
war geradezu
seelig;
nur eine
leise
Angst:
wird
das
»innere Auge«
offen bleiben? -
beschlich
mich.
Ich
nahm
meine
Übung
wieder
auf;
eine
Zeit
lang blieb
der Himmel
schwarzgrau
und
verschlossen,
wie vordem.
Plötzlich
kam mir der
Einfall, zu
versuchen,
ob
es
mir nicht
gelingen
möchte,
mein
Herz
wieder
so
ruhig
und
gebändigt
schlagen
zu
machen,
wie
es
von
selbst
bei der
Vision
oder vielleicht,
höchstwahrscheinlich
sogar,:
vor
der
Vision
von
selbst
geschehen
war.
-
Es
war
dies nicht
so sehr
ein
Einfall
gewöhnlicher
Art,
sondern
vielmehr
eine
halb
ertastete
Schlussfolgerung oder
Anleitung
aus
dem
Sinn
eines
Satzes
des
Buddha, der
sich
mir aufdrängte,
als
käme
er aus
dem
unsichtbaren
Mund des
»Vermummten«.
Der
Satz lautete:
»Vom Herzen
gehn
die
Dinge
aus,
sind herzgeboren und
Herz
gefügt.«
-
Damals
hat
sich
mir dieser
Satz
tief
ins
Blut
geprägt;
er
ist
nicht
bloß
die
schöne
Sentenz,
die
einer,
der
sie
liest,
als
solche
empfindet
und
zu
einem
Ohr hineingehen
und
zum
andern
wieder
hinausgehen
lässt,
nein:
sie
ist
der
Inbegriff
einer
ganzen
Philosophie,
eine
Erkenntnis,
dass
alles, was
wir
hier
auf
Erden
und
im
materiellen
Kosmos
als
außer
uns
objektiv
bestehend
wahrzunehmen
vermeinen,
nicht
Stoff ist,
sondern
ein
Zustand
unserer
selbst. Der
Satz
bildet
auch
den
feinen
Schlüssel
zur
wahren
Magie
und
schließt
nicht
nur theoretische
Erkenntnisse
in sich
ein.
-
Oft
hat
er
mir im
Leben,
wenn
ich mich
verloren
glaubte,
geholfen
wie
eine
starke
mir
zum
Beistand
hingehaltene
Hand. Als
ich
viele
Jahre
später
einmal
300 Meter
tief
abstürzte
vom
Dent
du Jaman,
fiel er
mir gerade
ein, als
ich
das
erste
Mal bei
dem
Sturz
auffiel
auf
die
linke
Schulter
und
mir noch durch
eine
Körperdrehung
eine
andere
Wendung und Richtung
geben
konnte,
was
zur
Folge
hatte,
dass
ich
nicht,
wie
sonst
unabwendbar
gewesen
wäre,
in
einem
Steinbruch
schließlich
landete, sondern
in einer
Schlucht
voll
weichen
Schnees.
Ob der
Satz
mich
gerettet
hat?
Ob
er
es
war,
der
mir
in
Blitzesschnelle den
Einfall
gab: wende
deinen
Körper!?
Wer
könnte
das
mit
Gewissheit
sagen? Mir aber
will scheinen,
dass
es
so
war.
Ich
saß auf
jener
Steinbank
und starrte
abermals
in
den Himmel.
Endlich gelang
es
mir
auch,
den
früher
gehabten
Ruhestand
des
Herzens
wieder
in meiner
Brust
herbeizuführen. Sogleich
trat
das
Resultat
ein.
Es
war,
als
wiche
ein kreisrundes
Stück
des
Nachthimmels
zurück.Als
löse
es
sich
los
aus der
Atmosphäre
und
schöbe
sich
hinein in
immer
weitere
unermesslich
tiefe
Fernen
des
Raumes.
Ich
beobachtete
mich
selbst
dabei
so
scharf
ich
nur
konnte.
Dabei
wurde
mir
bald
klar:
all das
geschieht nur
zu dem
Zweck,
damit du
die Augachsen
parallel
stellst. Zugleich
erinnerte
ich mich,
in
Büchern
gelesen zu
haben,
dass der
Blick
der
Somnambulen
im
Zustand
der
Ekstase
immer
wie
in die
Ferne
schauend
gewesen
sei.
Es
dauerte
auch
nicht
lange,
da
war
es
mir gelungen,
nicht
nur
einigermaßen
Herr
zu
werden
über
den
Herzschlag
-
in geringem,
aber
immerhin
ausreichendem
Maße -,
sondern
auch über
die Blickrichtung
meiner
Augen, und,
was ich
nie
vorher
im
Leben
gekannt
hatte,
trat
fast
unmittelbar
darauf
ein:
geometrische
Formen
bildeten
sich
zuerst
in dem
kreisrunden
Himmelsausschnitt.
Als
erstes
Zeichen
das
sogenannte
»In hoc
signo
vinces«
=
das
Kreuz
in
einem
lateinischen
großen
»H«
stehend.
Ich
sah es
mit
kühlem
und
wie
unbeteiligtem
Herzen,
keine
Spur
von
Selbstüberhebung
oder dergleichen
ergriff
mich; übrigens natürlich,
denn
für christliche
Ekstasen
habe ich
schon
damals wenig
Verständnis
gehabt.
Es
interessierte
mich
lediglich als
»Zuschauer«,
dass gerade
mit
diesem
altwehrwürdigen
Sigill
der
Reigen
meiner
Gesichte
begann.
Dann
traten
andere geometrische
Figuren
vor; manche
den Zauberzeichen
ähnelnd,
wie
man
sie
in mittelalterlichen
Faustbüchern
sieht.
Sie
waren
sämtlich
farblos. Erst
viel
später
erschienen
mir
Bilder,
farbig und
leuchtend;
sehr
oft
griechische
Statuen,
wie
z. B.
die
der
Pallas
Athene.
Alle
diese
Bilder
hatten
eines
vor allem
gemeinsam:
sie
waren
von
einer
Schärfe,
Farbenpracht
und Helle,
dass
Dinge
der Erde
dagegen wie
verblasst
und verschwommen
erscheinen.
So
schwer
das
zu begreifen
ist:
zuweilen
konnte
ich
sie
von
allen
Seiten
zugleich
sehen,
so
als
ob das
innere
Auge
nicht
eine
Linse
sei,
sondern
gewissermaßen
ein
Kreis,
herumgezogen
um das
visionäre
Bild.
Schließlich
bekam
ich
eine
solche
Übung im
inneren
Schauen,
dass
ich das
Bildersehen
beliebig
heraufbeschwören
konnte,
auch,
wenn
ich mich
äußerlich
keineswegs
in Ruhe
befand,
sondern
mich zum
Beispiel
mit
jemand Beliebigen
in
irgendeiner
Weise
gleichgültig
unterhielt.
Eine
Lieblingsübung
bestand
für
mich darin,
während
ich im
Kaffeehaus
die
Zeitung
las,
einen mir
häufig erscheinenden, großen
verworrenen
Knäuel aus
Seil
zu
betrachten
und
ihn
dann
im Geiste,
so
deutlich,
als läge
er
in
Wirklichkeit
vor
mir,
Schlinge
für
Schlinge
aufzulösen,
bis
er
endlich
vor
mir
lag,
kreisförmig
zusammengerollt,
gleich
einem Ankertau
auf
einem
Schiff.
Ein
Umstand,
dem
ich
eine
große
Bedeutung
zumesse,
da er mir
beweist,
dass nicht
der
äußere Mensch allein es
ist,
sondern
da noch
etwas
tieferliegendes,
das
die
Bilder
hervorruft,
ist:
ich
kann
mir
auch heute
noch nicht
ganz nach
freiem
Belieben
beliebige
Visionen
vors
Auge zaubern.
Es
wäre das
wertlos,
wenn
ich
es
könnte.
Es
hätte
seinen
eigentlichen
Zweck
als
Mitteilung
für mich
verfehlt.
Nur
das Tagesbewusstsein
spräche
dann zu
mir
von
dem,
was
ich mit
andern
Worten sowieso
schon
weiß!Die
Fähigkeit
des
innern
Sehens,
die
ich
mir
in
jener
Winternacht
erwarb
oder
erschloss,
war,
nebenbei
bemerkt,
der
erste
Einschnitt
in
mein
Schicksal,
das
mich,
sozusagen
mit
einem'
Ruck,
aus
einem
Kaufmann
zum
Schriftsteller
machte:
meine
Phantasie
wurde
gegenständlich.
Vorher
hatte
ich
in
Worten
gedacht,
von
da
an
konnte
ich
auch
in
Bildern
denken;
in
Bildern,
die
ich
sah,
als
seien
sie
leibhaftig;
nein:
hundertmal
leibhaftiger
und
wirklicher
als
irgend
ein
körperliches
Ding.
»Visionen«,
es
ist
eine
Phrase
im
Munde
der
Menge
geworden;
wenige
haben
sie
erlebt,
aber
alle
»wissen«
genau,
wie
eine
Vision
angeblich
ausschaut.
Verschwommen,
schleiermäßig,
so
faseln
sie.
So
habe
auch
ich
gefaselt,
als
meine
Augen
noch
blind
waren.Als
Dichter
wird
einer
gefeiert,
wenn
er eine
scharfe
Naturbeobachtungsgabe
besitzt
und
sie
mittels Tinte
auf
Papier
bringt.
Ein
jämmerlicher
Photograph
ist
er,
weiter nichts.
Mit der
Kunst,
die
ich
meine,
hat
dergleichen
nichts
zu
schaffen.
Mit
Theater
- vielleicht.
-
Auf
Malkunst
hat
die
Vision
wohl
den
größten
Einfluss,
vorausgesetzt,
dass
sie
nicht
nur
das Auge
und das
innerste
Gefühl
ergreift,
sondern
auch die
Hand,
so
dass
diese
instand
gesetzt
wird,
das
Bild
zu reproduzieren.
Ich kenne
viele
Maler und
fast jedem
habe
ich
mich
bemüht,
klar
zu
machen,
dass
er ein
Modell gar
nicht
brauchte,
wenn
er
nur
wüsste,
wie man
das
innere
Auge
öffnet.
Sie
haben
mir verständnislos zugehört.
Versucht
hat
es
noch
kein einziger,
was ich ihm
riet.
Sie pausen
lieber
die
Natur
durch,
behext
von dem
albernen Lehrsatz:
die
Natur
(die äußere
nämlich)
sei
die
Lehrmeisterin
aller
Kunst.
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