| Die Verwandlung des Blutes 8 |
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(aus Fledermäuse , Erzählungen, Fragmente und Aufsätze, Herausgegben von Eduard Frank) |
||
von Gustav Meyrink |
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Ich
nannte
die
dreizehn
Jahre,
die
ich
Schüler jenes
Führers
war,
einen
Dornenweg.
Er
war
es
wirklich
und wahrhaftige
aber
nicht
nur
im
Geistigen,
nein:
auch
im Physischen.
Es
mag
sonderbar
klingen,
wenn
ich
die
Behauptung
aufstelle:
Übungen,
wie
die
geschilderten
nicht
nur, sondern
alle
Übungen
im
Yoga,
mögen
sie
unrichtig
sein
oder
richtig,
verändern
nicht bloß
das
Blut,
sie
verändern
notgedrungen
mit
ihm auch
das
äußere
Schicksal!
Natürlich:
Man versäumt
günstige
Gelegenheiten
und
so
weiter,
wenn
man
täglich
acht
Stunden
lang
Sätze in
sich
hinein
murmelt,
statt
tüchtig
die
Hände
zu rühren
und
»zuzupacken«
(nur immer
forsch,
äh!),
wie
der komplette
Narr,
der
das
Zeug
hier
schreibt,
wird
der
»Aufgeklärte«
sagen
und
sich ungeheuer
gescheit
vorkommen.
Gewiss:
Die Kultur
eines
Atlantis
ist
untergegangen,
Ägypten
zerstört
worden,
Ninive
zerbrochen - auch
unsere
Schöpfungen
werden
hinweggerafft
werden!
Die
materialistische
Weltanschauung
habe
im Laufe
der letzten
Jahrzehnte
ihr
Ende
gefunden,
so heißt
es
heute
allgemein. Dummes
Zeug:
sie
ist
womöglich
noch krasser
geworden!
Nur theoretisch
ist
sie
erledigt.
Und
auch
das
nur für
die
wenigen,
die die
Fortschritte
der Erkenntnistheorie
verfolgten
oder
an ihr
mitgearbeitet
haben.
Die
Übrigen
sind
genauso
borniert
geblieben,
wie
sie
es
vorher
waren. Spricht
man einem Laien
davon,
dass
die
Sinne
trügen
und
das,
was
wir
wahrnehmen
durch
sie,
in
keiner
Weise
der
Wirklichkeit
entspricht
-
eine
Erkenntnis,
die nicht
etwa
nur einige
Jahrzehnte
alt
ist!.
-, so
kriegen
wir
selbst
von
Leuten,
die in
der »Kultur« soweit
vorgeschritten
sind, dass
sie
nicht
einmal mehr
Fisch
mit
zwei
Messern
essen -
sich
also
ungemein
hochstehend
vorkommen
-
zu hören:
lächerlich,
wenn’s
so
wäre,
könnte
man die
Welt doch
nicht
photographieren! Und,
was
noch
viel
verblüffender
ist:
Eben
dieselben
Forscher
und
Gelehrten
und
Philosophen,
die
selber auf
dem
Standpunkt
stehen,
die
uns
wahrnehmbare
Welt ist
Schein,
und
alles
sei relativ
aufzufassen
- die
bäumen
sich
wie
ein
vom
Sonnenkoller
befallenes
Pferd,
wenn
man sie
fragt:
Wenn
es sich
so
verhält,
warum
geben
Sie
dann
nicht
die Möglichkeit
gewisser
spiritistischer
Phänomene
zu, bei
denen
sich
Geschehnisse
ereignen,
wie
beispielsweise
die Materialisation
menschlicher
und
tierischer
Gestalten,
Durchdringung
des
Stoffes,
Apporte
von
weit
entfernten
Orten
her?
Durch die
sicher
richtige
Hypothese, die
Sie,
meine
Herren, aufgestellt
haben
und
sogar
bewiesen,
wären
derartige
Phänomene
doch
ungemein leicht
zu erklären!
Warum also an
ihrer
Möglichkeit
zu hartnäckig
rütteln?!
-
bewiesen
sie
doch
lediglich,
dass das,
was nicht
alle
Tage
geschieht,
deshalb
nicht
für
immer
ausgeschlossen
sein
muss,
zudem:
Warum sollte
ein
»Schein«
nicht
einer
andern »Halluzination«
unter Umständen
Platz
machen
können?!
-
Professor
Wilhelm
Ostwald, einer
der prominentesten
Gelehrten
der
materialistischen
Schule,
hat
eine
Erklärung
aufgestellt, was
im
Grunde
Bewegung
ist;
wie
keine zweite
ist
sie
geeignet,
spiritistische
und magische Vorkommnisse
plausibel
zu machen.
Wie
verblüfft
ist man,
wenn man dann
hört,
was
Ostwald
über die
-
Unmöglichkeit
okkulter
Phänomene
aussagt!
- Wenn
so die
Leuchten
unserer
Wissenschaft
sich
verhalten,
wie
darf
man sich
da wundern,
dass
der
Banause
lacht,
wenn
von
den
Werten
der
Philosophie gesprochen wird?
Die
materialistische
Weltanschauung
auf
theoretischem
Wege
zu Fall
zu bringen,
wird,
wie
die
Tatsachen lehren,
nie und
nimmer gelingen;
so
leicht
lassen
sich
die Aale
nicht
bekehren
und aus
der
Bahn
drängen.
Es muss
auf andere
Weise geschehen.
Die
praktische
Anwendung
der
Lehre
vom
Yoga
könnte
hier Mittel
zum Zweck
werden.
Eine
Zeit lang
hatte
es den Anschein,
als
sei
es
dem
Spiritismus
beschieden,
die
erste
Bresche
zu
schlagen,
dann
aber
ist
es
den
Schwindlern
gelungen,
ihn zu
diskreditieren,
und
so
blieben
die
Gesetze,
die ihm
zu
Grunde
liegen
und
einen
Schlüssel
bieten
könnten
zu
geistigen
Werten,
verborgen
wie
je.
Und nehmen wir
selbst
an,
es
gelänge,
den
spiritistischen
Phänomenen
zur allgemeinen
Anerkennung zu
verhelfen,
so wäre es
immerhin
sehr
fraglich,
ob sodann
nicht
erst
recht
der Materialismus
neue Triumphe
feiern
würde,
fußend
auf der
Entdeckung
einer
neuen
feinern
Stofflichkeit
der
Natur.
Hat
doch auch
die
Erfindung
der Herstellung
von
Alkohol
aus
Kartoffeln,
also
eines
flüchtigen
subtilen
Stoffes
aus
einem
groben
wie
sich
von
selbst
versteht,
das
materialistische
Weltbild
nicht
durchlöchert.
Erst
wenn
es
gelingt,
den
Beweis
zu
erbringen,
dass
Gedanken
imstande
sein
können,
nach
außen
wirkend
Veränderungen
des
Stoffes zu
bewirken,
dann
erst
wäre
der
erste
wertvolle
Schritt
getan.
Das letzte
Hindernis
wird
aber
auch dann
noch nicht bewältigt
sein,
denn
die
Wissenschaft
wird
sagen,
vielleicht
sogar beweisen,
Gedanken
gehörten
trotz
allem gegenteiligem
Schein
ins
Gebiet
der
Physik oder
Chemie
- ins
Reich
der
Elektrizität meinetwegen.
Der
Sieg
der rein
geistigen
Anschauung
wird
erst
errungen
sein,
wenn der
Mensch
sich
selbst
und
andern gegenüber
praktisch
erhärten
kann,
dass
Materie
an
sich
überhaupt
nicht
existiert,
sondern,
wie
der
Vedanta
und andere
ähnliche
Erkenntnissysteme
lehren,
eine Täuschung
der
Sinne
bedeutet
-
zu
scheinbarer
Gegenständlichkeit
geronnene
Idee ist.
Zu einer
derartigen
Überzeugung, die
durch
nichts
mehr
wankend
gemacht
werden
kann,
zu gelangen,
ist
nur möglich
durch
Yoga..
Was ist Yoga?
Yoga umschließt alle Praxis auf seelischem und geistigem Gebiet; ist also jene gewisse Werktätigkeit, die dem Menschen der Jetztzeit so gut wie ganz fehlt. Ich möchte sagen, Yoga ist der Sauerteig, theoretische Erkenntnisse nur Mehl und Wasser.
Alles,
was
mit
Yoga
zusammenhängt,
scheint
aus
Asien
zu
stammen.
So
sind
die Asiaten
demnach
die
Herren
auf
diesem
Gebiet?
Möglich,
dass
sie
in
Zeitaltern,
von denen uns
nichts
überliefert
ist,
wissend
waren;
Legenden
behaupten
es.
Nicht
wegzuleugnen
ist
die
Tatsache,
dass
heute
bei uns
niemand
mehr
da ist,
der als
Meister
im Yoga
anzusprechen
wäre. Theosophen
und
Okkultisten
behaupten
zwar,
die
wahren
Yogakundigen lebten
abgeschieden
in
der
Einsamkeit
und
unzugänglich
für
die Weltmenschen,
aber
Beweise
für die
Richtigkeit
solcher
Angaben
sind natürlich
schwer
zu
erbringen.
Man ist auf
Glauben
und Vertrauen
mehr oder
weniger
angewiesen. Wer
kann
dafür einstehen,
dass
die
Yogabeflissenen,
die man in
Indien
da
und
dort
antrifft, nicht
nur
Suchende
sind?
Spricht
doch fast
alles
dafür, dass
der
Hochpfad
des
Yoga, mit
seinen
wunderbaren
Zielen,
seit
vorgeschichtlichen
Zeiten
verschüttet
ist
und an
seine
Stelle
Bewusstseinsspaltung,
Hysterie,
Mediumismus
und andere
krankhafte
Erscheinungen
getreten
sind,
statt
das
Gegenteil:
Vervollkommnung
des
Menschen!
Campbell
Oman, der
Verfasser
eines
bemerkenswerten
Buches
über
die Asketen,
Mystiker
und Heiligen
Indiens,
berichtet
von einem
Europäer namens
Charles
de Russette,
der
ein
Sadhu (eine
Art
Büßer)
geworden
sei
und
sich
in der
Nähe
von
Simla
in die
Einsamkeit
zurückgezogen
habe.
Russette
erzählte
ihm, er
habe
seine
indischen
Fakirkollegen
die
wunderbarsten
Dinge
vollbringen
sehen.
-
Solche
und ähnliche
Berichte
kann
man zu
Dutzenden
lesen;
leider
sind
die
meisten,
wenn
man ihnen
auf den
Grund
geht,
erfunden.
Als
die
englische
Regierung
für die
Ausstellung
in Wembley
einen
Fakir
suchte,
der
imstande
gewesen
wäre,
irgend eines
der oft
gerühmten
Yogiwunder
vorzuführen,
da
war
auch nicht
einer
aufzutreiben!!!
-
Es
werden
eben
zumeist
Gaukler
fälschlich
für
Yogis
gehalten
eine
Folge
der allgemeinen
Unwissenheit,
was im
Grunde
eigentlich
ein
Yogi
ist.
Auch
ein Asket
ist, genau
unterschieden,
noch
lang
kein
Yogi;
zumeist
sogar
das
Gegenteil,
nämlich
ein durch
aufs äußerste
getriebene
Frömmigkeit
schizophren
Gewordener.
Yoga
heißt auf deutsch
soviel
wie
»Verbindung«.
Ein
Bhaktayogi
wie
der erwähnte
Ramakrishna,
oder
um
einen
Europäer
zu nennen:
Ruysbroek,
behaupten
zwar,
sie
seien
in ihren
Ekstasen
mit
Gott
verbunden,
aber
man könnte
ganz gut
sagen:
sie
erlebten
lediglich
Bewusstseinsspaltung.
Der
Umstand,
daß
Ramakrishna,
wie
seine
Schüler
einstimmig
beteuerten,
bisweilen
»Wunder«
zuwege
brachte,
widerlegt
durchaus
nicht,
dass
Schizophrenie
ausgeschlossen gewesen
wäre,
geschehen
doch bei
spiritistischen
Medien
und
Hypnotisierten ähnliche
Dinge
genau
so.
Die
»Verbindung«,
die
der
Yogi
bezweckt,
ist
vielmehr
die unlösbare
Einswerdung des
Menschen
mit
sich
selbst.
Eine
solche
Verbindung
mit
sich
selbst
ist
nämlich
durchaus
nicht
beim
Normalmenschen
vorhanden,
wie
allgemein
angenommen
wird!
Jeder
Mensch
ist
im Bewusstsein gespalten
und ebenso
jedes
Tier.
Diese
Einsicht
kommt
einem
erst,
wenn
man
eine
Zeitlang
Yoga
betrieben
hat.
Merkwürdig
genug! Mit
nur wenig
Beobachtungsgabe
könnte
jeder feststel-len,
dass
sein
Ichbewusstsein
nichts
weniger
ist
als
einheitlich.
Das
selbständige
Arbeiten des
Herzens
und
der Verdauung,
die
Machtlosigkeit
gegenüber
Stimmungen
und
Gedanken,
die einem
»einfallen«
und lang
nicht loslassen,
Träume,
Wehrlosigkeit
gegenüber
dem Schlafbedürfnis
und
so
vieles
andere
sind
doch deutliche
Beweise,
dass
der Mensch
nichts
weniger
ist
als Herr
in seinem
Hause!
Schizophrenie also
im
weiteren
Sinne des
Wortes!
Sagen,
Märchen
und Legenden
weisen
auf
solche
Mängel
hin: Das
zerbrochene
Schwert,
das
Siegfried
wieder
ganz macht,
während
es
den
»Zwergen«
nicht
gelang,
trotz
aller
List
und Erfindungsgabe;
das
schlafende
Dornröschen,
das durch
einen Kuss
erweckt
werden
muss,
der
Sündenfall
in der
Bibel.
Sie
alle künden
vom
Zustand
des
Menschen,
wie
er jetzt
beschaffen
ist,
und deuten
gleichzeitig
auf
eine
Möglichkeit
des
Vollkommenwerdens
hin
-
auf
Yoga!
Die
Religionen
-
auch
dieses
Wort
heißt
auf
deutsch
Verbindung!
-
hochstehender
Völker
stellen nicht
nur Moralgesetze
auf,
sondern
bezwecken
für
den, der
sie
tiefernst
nimmt:
Vereinigung mit
Gott.
Yoga
hat
mit
Gott
nichts
zu
tun;
die
Buddhisten
haben
Götter
in
ihr
System überhaupt
nicht aufgenommen
und betreiben
dennoch
Yoga! Die Verbindung, die der Yoga beabsichtigt, ist: Die Vereinigung des Unterbewussten oder Überbewussten, wenn man dieses Wort gelten lassen will, mit dem Tagesbewusstsein des Menschen. Coué, der bekannte französische Apotheker, der vor einiger Zeit so viel von sich reden machte durch seine Heilerfolge, hat ähnliches in seiner Methode der Autosuggestion zuwege bringen wollen. Meines Erachtens ist er dabei in denselben Fehler verfallen, den alle Dualisten begehen - auch die Religiösen: er redet den innern Menschen, also den uns unbewussten, mit Du an! Die Bewusstseinsspaltung, an der der Mensch leidet, wird dadurch nur noch mehr vertieft. Ich glaube: Wer Coués Methode gründlich und fleißig betreibt, der wird eines Tages als kompletter Hysteriker aufwachen. Er wird die Heilung einer Krankheit, die er möglicherweise durch die Couésche Methode erzielt hat, teuer genug bezahlen.
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